Filmkritik: Der Unsichtbare (James Whale, 1933)

Filmkritik: Der Unsichtbare (James Whale, 1933)

Der Unsichtbare
Copyright: Universal Studios

Mit dem hauseigenen Gruselfilm-Zyklus – zu den prominentesten Vertretern zählen unter anderem Das Phantom der Oper (1925), Dracula (1931), Die Mumie (1932) und Der Wolfsmensch (1941) – gelang es den Universal Studios in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das Horrorfilmgenre nachhaltig mitzugestalten. Ein nicht minder entdeckenswertes wie filmgeschichtlich prägendes Kleinod aus besagtem Kanon offenbart sich dem geneigten Rezipienten in Gestalt von James Whales Der Unsichtbare (OT: The Invisible Man, 1933). Nach Henry Frankenstein (Frankenstein (1931)) widmet sich Regisseur Whale mit Dr. Jack Griffin abermals einem mad scientist, der in diesem spezifischen Fall auf einer Romanvorlage des britischen Schriftstellers H.G. Wells (Die Zeitmaschine (1895), Die Insel des Dr. Moreau (1896) & Krieg der Welten (1898)) basiert, aber wie auch sein Kollege aus Mary Shelleys Feder die Naturgesetze um jeden Preis zu überwinden trachtet.

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Filmkritik: Die Sonntagsfrau (Luigi Comencini, 1975)

Filmkritik: Die Sonntagsfrau (Luigi Comencini, 1975)

Copyright: Koch Media

Das italienische Autoren-Duo (Carlo) Fruttero & (Franco) Lucentini gehört sicherlich zu den namhafteren, literarischen Exporten aus dem Land mit der Stiefelspitze. Ihr 1972 erschienener Kriminalroman „La donna della domenica (Die Sonntagsfrau)“ avancierte schnell zu einem internationalen Erfolg und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass der europäische Arm der 20th Century Fox sich schon 1975 des Stoffes annahm und Die Sonntagsfrau (OT: La donna della domenica) als Kinofilm auch auf die Leinwand brachte. Dabei ließ man es sich nicht nehmen, einige der namhaftesten Schauspieler der Dekade zu verpflichten und so geben sich in Luigi Comencinis Verfilmung die fabelhaften Marcello Mastroianni, Jean-Louis Trintignant und Jacqueline Bisset die Ehre.

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Filmkritik: Stalker (Andrei Tarkovsky, 1979)

Filmkritik: Stalker (Andrei Tarkovsky, 1979)

Copyright: Icestorm Entertainment
Copyright: Icestorm Entertainment

In meinen bisher realisierten Filmen wollte ich stets von Menschen erzählen, die sich trotz der Tatsache, daß sie von ihren Mitmenschen abhängig, also unfrei waren, ihre innere Freiheit zu bewahren wußten. Ich zeigte scheinbar schwache Menschen. Doch ich sprach auch von der Kraft dieser Schwachheit, die aus deren moralischer Überzeugung und Position erwächst.“ (TARKOWSKIJ 1984)

Neben Sergei M. Eisenstein (Panzerkreuzer Potemkin, 1925) zählt der 1932 geborene Drehbuchautor und Regisseur Andrei Tarkovsky (Solaris, 1972) zu den international bekanntesten Vertretern der sowjetischen Filmindustrie. Sein Wirken ist in entscheidendem Maße durch die politischen Umstände zu Beginn seiner Karriere geprägt. Unmittelbar nach Stalins Tod („Tauwetter-Periode“) keimte in der Sowjetunion die Hoffnung einer stückweiten Liberalisierung – auch im kulturellen Sektor – auf. Im Zuge schnell einsetzender Ernüchterung wandten sich viele Künstler „tabuisiertem und konträrem Gelände“ (SCHLEGEL 1987) zu. In Tarkovskys thematischen Fokus rückten Aspekte „der Spiritualität und mystischen Geistigkeit“ (ebd.). Trotz teilweise starkem Widerstand seitens der Regierung – wobei insbesondere der autobiographisch geprägte Der Spiegel (1975) in der Kritik stand (TARKOWSKIJ 1984) – gelang es ihm, zu einem der bedeutendsten und unkonventionellsten Künstler des Landes zu avancieren. Mit einer innovativen Filmsprache und dramaturgisch schwer klassifizierbaren Konzepten stößt er sowohl die Anhänger des klassischen, narrativen Kinos à la Hollywood als auch die Verfechter der filmkünstlerischen Avantgarde gleichermaßen vor den Kopf (ebd., SCHLEGEL 1987).

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Filmkritik: Jakobowsky und der Oberst (Peter Glenville, 1952)

Filmkritik: Jakobowsky und der Oberst (Peter Glenville, 1952)

Copyright: Sony Pictures
Copyright: Sony Pictures

Am Humor scheiden sich oft die Geister, ist doch das Humorempfinden von Person zu Person ganz unterschiedlich. Trotzdem schafft es nur der Humor, auch der schrecklichsten Situation etwas Heiteres abzugewinnen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Filmgeschichte daher auch immer wieder Komödien vor dem Hintergrund des Krieges hervorgebracht hat. So auch Peter Glenvilles Jakobowksy und der Oberst (OT: Me and the Colonel, 1957) mit Danny Kaye und Curd Jürgens in den Hauptrollen, der 1958 in die Kinos kam und auf dem gleichnamigen Theaterstück Franz Werfels basiert.

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Filmkritik: Im Geheimdienst (Fritz Lang, 1946)

Filmkritik: Im Geheimdienst (Fritz Lang, 1946)

Copyright: Studiocanal
Copyright: Studiocanal

Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten gelang es dem Regisseur Fritz Lang, noch zahlreiche Perlen zur eigenen Filmographie hinzuzufügen. Nicht selten handelte es sich dabei um Werke, die inhaltlich und stilistisch der Schwarzen Serie, d.h. dem amerikanischen Film Noir, zuzuordnen waren. Auch Im Geheimdienst (OT: Cloak and Dagger, 1946) lässt sich im weitesten Sinne unter diesem Oberbegriff subsumieren. Aber noch weitaus signifikanter als jene Form der Kategorisierung ist seine Zugehörigkeit zum Lang’schen Anti-Nazi-Filmkanon. Mit Werken wie Menschenjagd (1941), Auch Henker sterben (1943) und Ministerium der Angst (1944) griff der Regisseur die akute Bedrohung durch das faschistische Regime seiner Heimat im Spielfilm-Format auf und bezog auf politischer Ebene Stellung. Im Geheimdienst ist sowohl innerhalb dieses Kanons als auch im Kontext der gesamten Filmographie nur im qualitativen Mittelfeld anzusiedeln. Warum der Spionage-Thriller schlussendlich nicht besser abschneiden konnte, soll im Folgenden diskutiert werden.

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Filmkritik: Re-Animator (Stuart Gordon, 1985)

Filmkritik: Re-Animator (Stuart Gordon, 1985)

Copyright: Capelight
Copyright: Capelight

Nur ein flüchtiger Blick in Stuart Gordons Filmographie genügt, um seiner ausgeprägten Vorliebe für das düstere Schaffen des Schriftstellers H.P. Lovecraft gewahr zu werden. Denn gleich mehrfach im Verlauf seiner Karriere griff der Regisseur und Drehbuchautor auf das umfangreiche Werk des literarischen Horrorpapstes zurück und schuf auf jener Basis Spielfilme wie From Beyond – Aliens des Grauens (1986), Castle Freak (1995), Dagon (2001) und die Masters of Horror-Episode Dreams in the Witch House (2005). Seine bekannteste wie gleichermaßen beliebteste H.P. Lovecraft-Adaption dürfte – trotz aller Konkurrenz im eigenen Œuvre – jedoch zweifelsohne Re-Animator (1985) sein, welcher von Anhängern des Splattergenres beinahe kultisch verehrt wird. Auf welchem Fundament ein derart positiver Grundtenor fußt, soll u.a. im Folgenden beleuchtet werden.

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Filmkritik: White Zombie (Victor Halperin, 1932)

Filmkritik: White Zombie (Victor Halperin, 1932)

Copyright: Kino Lorber
Copyright: Kino Lorber

Bela Lugosis stechender Blick in Dracula (1931) schrieb Filmgeschichte und zählt auch heute noch zu den vielzitierten Qualitäten des Werks. Deswegen verwundert es auch kaum, dass der Schauspieler sein berühmtes Augenpaar bereits kurze Zeit später in White Zombie (1932) abermals prominent zur Schau stellen durfte. Unter der Regie von Victor Halperin entstand dabei eine Independent-Produktion, die es mit dem großen Bruder Universal – in den 1920er und 1930er Jahren prägte das Hollywood-Studio die Erscheinungsform des Gruselgenres durch Veröffentlichungen wie Das Phantom der Oper (1925), Spuk im Schloß (1927), Frankenstein (1931) und Die Mumie (1932) aufs Nachhaltigste – aufzunehmen versucht. Dies gelingt White Zombie sicherlich auch in vielerlei Hinsicht, nichtsdestotrotz gibt es einige Aspekte, die sich Kritik gefallen lassen müssen.

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Filmkritik: Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key (Sergio Martino, 1972)

Filmkritik: Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key (Sergio Martino, 1972)

Copyright: NoShame Films
Copyright: NoShame Films

Die Welt des Giallos ist vielseitig und bietet dem geneigten Zuschauer reichlich zu entdecken. Das beweist neben Dario Argento, welcher mit seinen Beiträgen die italienische Filmlandschaft unwiderruflich mitentwickelt und nachhaltig geprägt hat, u.a. auch der nur zwei Jahre ältere und ebenfalls in Rom geborene Sergio Martino. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Die Weiße Göttin der Kannibalen (1977) – ein Abenteuer-Ausflug in die Welt der Menschenfresser – und Der Killer von Wien (1970). Zwei Jahre nach Letztgenanntem entstand mit Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key (OT: Il Tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave, 1972) ein nicht minder interessanter Spielfilm.

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Filmkritik: Der Tiger (Bretaigne Windust & Raoul Walsh, 1951)

Filmkritik: Der Tiger (Bretaigne Windust & Raoul Walsh, 1951)

Copyright: Arthaus/Studio Canal
Copyright: Arthaus/Studio Canal

Humphrey Bogart ist das Aushängeschild des US-amerikanischen Film Noir. Wie kein zweiter Schauspieler verkörperte der gebürtige New Yorker die Quintessenz der Schwarzen Serie und prägte das Genre durch seine emblematischen Inkarnationen der abgebrühten wie gleichsam raffinierten Detektivfiguren Samuel Spade (Die Spur des Falken, 1941) und Philip Marlowe (Tote schlafen fest, 1946) maßgeblich mit. Abseits derartiger Genreklassiker, die ihren festen Platz im Kanon der Filmgeschichte besitzen, finden sich jedoch noch weitere – oftmals deutlich kleinere – Film Noir-Produktionen, denen Bogie seinen markanten Stempel aufzudrücken vermochte. So tritt er beispielsweise in Der Tiger (OT: The Enforcer, 1951) als durchsetzungsfähiger Staatsanwalt in Erscheinung, der sich auf einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Zeit einlässt.

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Filmkritik: Der Hund von Baskerville (Terence Fisher, 1959)

Filmkritik: Der Hund von Baskerville (Terence Fisher, 1959)

Copyright: Arrow Video / MGM
Copyright: Arrow Video / MGM

Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes gehört nicht nur zu den berühmtesten Charakteren der Literaturgeschichte, sondern ist auch die am häufigsten porträtierte Filmfigur aller Zeiten. Schon mit Anbeginn des Mediums Film gab es auch Sherlock Holmes-Adaptionen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass auch die altehrwürdigen Hammer Film Productions in ihrer Hochzeit Ende der 1950er-Jahre eine Holmes-Verfilmung im Portfolio hatten: Der Hund von Baskerville (OT: The Hound of the Baskervilles, 1959) von Terence Fisher.

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